Was ist das eigentlich, eine Laktoseintoleranz? 

Laktose ist der Fachbegriff für Milchzucker, der natürlicherweise in vielen Milchprodukten vorkommt. Er besteht aus zwei miteinander verbundenen Zuckermolekülen. Leidet man an einer Laktoseintoleranz, dann verfügt man gar nicht oder in nicht ausreichendem Maße über das Enzym mit dem Namen Laktase, das notwendig ist, um diesen Doppelzucker in zwei einzelne Zuckermoleküle (Glukose und Galaktose) zu spalten. Denn nur in der Form der zwei einzelnen Zuckermoleküle kann das Ganze anständig im Dünndarm verdaut werden. Wandert der Milchzucker jedoch ungespalten und unverdaut in den Dickdarm, dann machen sich Bakterien über ihn her und verursachen eine ganze Reihe von Beschwerden und Symptomen. Grund dafür ist, dass durch die bakterielle Zersetzung des Milchzuckers Milchsäure sowie die Gase Methan und Wasserstoff entstehen. Diese recht explosive Mischung kann dem Verdauungstrakt ganz schön zusetzen. Außerdem kann eine unentdeckte Laktoseintoleranz zu einer Störung der Darmflora führen und die Schleimhäute poröser werden lassen. Ist dieser natürliche „Schutzwall“ erst einmal angegriffen, können beispielsweise allergieauslösende Eiweiße wesentlich ungehinderter in den Körper eindringen und weitere Beschwerden auslösen.

 

Ich konnte doch früher problemlos Milchprodukte zu mir nehmen – warum jetzt nicht mehr? 

Die Gründe für eine Laktoseunverträglichkeit können vielfältig sein. Es gibt Menschen, die ihr Leben lang unproblematisch Milchprodukte zu sich nehmen und mit Hilfe des körpereigenen Enzyms Laktase verdauen können. Im Gegenteil dazu bilden einige Menschen dieses Enzym schon von Geburt an nicht aus und vertragen deshalb bereits keine Muttermilch, die mit rund 7g pro 100ml einen besonders hohen Laktosegehalt aufweist. Diese Form der Unverträglichkeit, der sogenannte angeborene Laktasemangel, ist jedoch äußerst selten.

Am häufigsten anzutreffen ist hingegen die primäre Laktoseintoleranz. Darunter versteht man eine aus biologischer Sicht natürlicherweise auftretende Form der Milchzuckerunverträglichkeit, die weltweit etwa drei Viertel aller Erwachsenen betrifft. Bei dieser Form der Unverträglichkeit wird das Enzym Laktase zunächst in ausreichendem Maße produziert – schließlich ist der Körper darauf eingestellt, die erste Nahrung in Form von Muttermilch anständig verdauen zu können. Doch bereits im Kindesalter nimmt die Laktaseproduktion ab und der Körper beginnt langsam mit der Fehlverdauung (Malabsorption) des Milchzuckers. Je nach Geschwindigkeit der Umstellung können die ersten Symptome und Beschwerden schon in der Jugend oder erst im (frühen) Erwachsenenalter auftreten.

Allerdings schwankt die durchschnittliche Ausprägung der Unverträglichkeit von Region zu Region. Während im hohen Norden Europas nur wenige Menschen eine Laktoseintoleranz aufweisen (etwa 2% in Schweden und 5% in Dänemark), sieht das im Süden Europas schon ganz anders aus. So vertragen beispielsweise in Südfrankreich bereits 65% der Bevölkerung keine laktosehaltigen Milchprodukte, in Sizilien etwa 71%. Dieses Nord-Südgefälle ist auch in Indien anzutreffen: während in Nordindien die Quote für eine Laktoseintoleranz bei nur 27% liegt, so liegt die Höhe im Süden des Kontinents bei 70%. Auf dem afrikanischen Kontinent variiert das Vorkommen einer Milchzucker- unverträglichkeit ebenfalls stark, während im asiatischen Raum kaum jemand Michzucker verdauen kann (Quelle: Wikipedia). Diese doch recht ungleichmäßige Verteilung ist in der jeweils regional vorherrschenden Speise- und Viehzuchttradition begründet. Dort, wo schon seit Jahrtausenden Milchwirtschaft betrieben wird, ist die Wahrscheinlichkeit, eine primäre Laktoseintoleranz zu haben, geringer als in Gebieten, in denen Milcherzeugnisse traditionellerweise nicht oder noch nicht so lang hergestellt oder konsumiert werden. Eine weitere wichtige Rolle spielt zudem die traditionelle Zubereitung der aus der Milch gewonnen Speisen und Getränke: denn wenn es sich um Sauermilchprodukte wie stark gesäuerten Joghurt handelt, dann wandeln Milchsäurebakterien bereits während des Gerinnungsprozesses einen nicht geringen Anteil der in der Milch enthaltenen Laktose in Milchsäure um. In diesen Fällen ist es für den Verzehr nicht erforderlich, größere Mengen an Laktase bilden zu können, da die Milchsäurebakterien den Großteil der Arbeit schon verrichtet haben. Ebenso unbedenklich ist länger gereifter Käse, der ebenfalls kaum noch Milchzucker enthält.

 

Ist die Darmschleimhaut hingegen in Folge von operativen Eingriffen, Infektionen, chronischen Krankheiten wie Zöliakie oder Morbus Crohn oder aufgrund intensiver Therapieformen beschädigt, kann es zu einer sekundären Laktoseintoleranz kommen. Diese Form der Unverträglichkeit ist häufig zeitlich begrenzt, denn mit der Regeneration der Darmschleimhaut kehrt auch die Fähigkeit zur Laktaseproduktion zurück.

 

In Teil II geht es um Symptome und Beschwerden sowie Möglichkeiten der Diagnose einer Laktoseintoleranz.